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Mathe sicher können

Sieglinde Waasmaier entwickelte mit einer Doktorarbeit an der Universität Passau ein innovatives Mathematikunterrichts-Modell und wird dafür von der „Deutsche Telekom Stiftung“ ausgezeichnet.

| Lesedauer: 3 Min.

Dr. Sieglinde Waasmaier (3. v. l.) mit weiteren Preisträgern und Vertretern der Telekomstiftung der Fachjury (v. l.): Prof. Susanne Prediger, Prof. Christoph Selter, Sieglinde Waasmaier, Peter Doll, Beate Kurzeia-Tegel, Prof. Hans-Wolfgang Henn, Ulrike Sendelbach, Theresa Deutscher, Dr. Ekkehard Winter (Gf Deutsche Telekom Stiftung).

Dr. Sieglinde Waasmaier (3. v. l.) mit weiteren Preisträgern und Vertretern der Telekomstiftung der Fachjury (v. l.): Prof. Susanne Prediger, Prof. Christoph Selter, Sieglinde Waasmaier, Peter Doll, Beate Kurzeia-Tegel, Prof. Hans-Wolfgang Henn, Ulrike Sendelbach, Theresa Deutscher, Dr. Ekkehard Winter (Gf Deutsche Telekom Stiftung).

Dr. Sieglinde Waasmaier, Konrektorin an der Mittelschule Frontenhausen im Landkreis Dingolfing-Landau, erhält für ein Unterrichtsprojekt zur Förderung von Mathematik-Kompetenzen den ersten Preis des Wettbewerbs „Mathe sicher können“ der „Deutsche Telekom Stiftung“. Ihr Konzept „Mit aktiv-entdeckendem, metakognitivem Unterricht alle Schülerinnen und Schüler fördern“ hatte sie mit einer Doktorarbeit an der Universität Passau auf eine wissenschaftliche Basis gestellt, die es ermöglicht, ihre Ansätze auch auf andere Schulen und Fächer zu übertragen. Gemeinsam mit einem Kollegen gestaltet Dr. Waasmaier den Mathematik-Unterricht so, dass die Schüler Grundfertigkeiten wie Kopfrechnen permanent üben, Rechenaufgaben mit Bezug zum Alltag zunächst einzeln lösen und anschließend in der Gruppe besprechen sowie ihren Lernweg für die Lehrkraft nachvollziehbar aufschreiben.

„Die Aufträge, die unsere Schüler bekommen, sind so konzipiert, dass auch der schwächste Schüler selbständig den Stoff erschließen kann. Was sie selber erarbeiten, verstehen sie besser und bleibt im Gedächtnis haften", erklärt Dr. Waasmaier. Jede ihrer Unterrichtsstunden startet mit der Wiederholung von Basiswissen. „Das ist wie beim Sport", erklärt sie. „Man muss einfach die Grundfertigkeiten wie Kopfrechnen permanent trainieren"

Zunächst setzen sich die Schülerinnen und Schüler alleine mit der Lernsituation auseinander, bringen ihr bisheriges Wissen ein und arbeiteten sich schrittweise durch die Aufträge. Nach und nach können sie mit einem Lernpartner Kontakt aufnehmen, Lösungsideen austauschen und diskutieren. „Da jeder Schüler die Aufgaben anders löst, können sie viel voneinander lernen und üben, einen gemeinsamen Konsens zu finden“, so Waasmaier.

Ihre Lösungswege dokumentieren die Schüler in ihren Heften – deren Analyse bildete auch den Grundstock für ihre Dissertation. Betreut wurde sie von Ludwig Bauer, Professor für Didaktik der Mathematik an der Universität Passau. „Es hat sich sehr gelohnt, wissenschaftlich zu untersuchen, inwieweit dieser Unterreicht der Kompetenzentwicklung der Lernenden dient. Gerade für die Hauptschule gibt es kaum Studien in diesem Bereich“, erklärt Bauer. „Für diesen Schultyp ist auch der Ansatz neu, dass schwächere Schüler am besten durch Anleitung zum selbstständigen Handeln gefördert werden. Die Arbeit ist deshalb besonders wertvoll, weil sie zeigt, dass ein solcher Ansatz in der Praxis funktioniert.“

Die wissenschaftliche Betreuung von Schulprojekten sei ein wesentliches Element, um Universität und Schulbetrieb noch stärker zu verzahnen. Darüber hinaus gibt es mit Workshops, Laborkursen und Lehrerfortbildungen zahlreiche Angebote der Universität Passau. Sie sollen Lehrern und Schülern gerade im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich neue Herangehensweisen vermitteln.

Für Sieglinde Waasmaier persönlich hat sich die harte Tour einer Promotion ebenfalls gelohnt. "Mir wurde immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, seinen eigenen Unterricht kritisch zu betrachten und daraus Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung abzuleiten.“ Die Texte aus der Reflexionsphase zeigen etwa den Lernerfolg der Schüler und enthalten oft Schwierigkeiten oder Fragen der Lernenden, auf die eine Lehrerin gezielt reagieren kann. Dissertation und der Preis der Telekom-Stiftung bestärken Waasmaier zudem, ihr Konzept verstärkt in der Lehrerfortbildung einzubringen.

 

Der Erfolg gibt dem Konzept Recht. Die Noten der Projektklassen in den zentralen Prüfungen zum Qualifizierenden Hauptschulabschluss liegen deutlich über dem meist um eine 4 dümpelnden Landesschnitt. Die Notenentwicklung zeigt zudem, dass das Projekt sowohl leistungsschwächere als auch -stärkere Lernende förderte. „Ich habe von Tag zu Tag mehr das gute Gefühl, einerseits mehr Verantwortung an die Schülerinnen und Schüler abgeben zu können, andererseits nahe am Lernprozess jedes Einzelnen zu sein“, so Waasmaier. Ihre Schüler bildeten auch nachweislich die Kompetenzen weiter, die die Kultusministerkonferenz als Standards definiert hat – etwa Argumentieren, Kommunizieren. Probleme lösen.

 

Der „Mathekönner“-Wettbewerb wurde unter dem Dach von „Mathe sicher können“ durchgeführt, einem von der „Deutsche Telekom Stiftung“ initiierten Kooperationsprojekt der Technischen Universität Dortmund, der Freien Universität Berlin, der Pädagogischen Hochschule Freiburg sowie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Das Projekt kümmert sich um in Mathematik leistungsschwache Schülerinnen und Schüler. Gemeint sind die 20 Prozent der Jugendlichen, die nach der PISA-Studie am Ende der Regelschulzeit nur auf Grundschulniveau rechnen und keine Anforderungen bewältigen können, die über elementare Standardaufgaben hinausgehen. Daher werden unter anderem im Projekt geeignete Unterrichtsstrukturen, -konzepte und -materialien entwickelt und erforscht.

 

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Hinweis an die Redaktionen: Rückfragen zu dieser Pressemitteilung richten Sie bitte an die Pressestelle der Universität Passau, Tel. 0851 509-1430.

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