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Schickaneder, Alina

Thema: Konsum, Klimaschutz, Produktion

M1: PNP 06.02.2025

Alina Schickaneder nimmt für nachhaltige Mode die Nadel selbst in die Hand.

[Original-Titel: Die Frau mit der Nadel – für Alina Schickaneder mehr als eine Leidenschaft]

Abgeändert von Andreas Forster

Dass die 33-jährige Dingolfingerin Alina Schickaneder täglich stundenlang in ihrem Nähzimmer verbringt, hätte sie Mitte 2017 nicht zu träumen gewagt. Damals war sie schwanger, erwartete mit ihrem Ehemann Daniel die Geburt der Tochter Emi. Nun knapp acht Jahre später ist aus einem Hobby längst eine Berufung geworden. Doch nicht nur monetär will sie mit ihrem Business vorankommen. Schickaneder sieht sich selbst auf einer wichtigen Mission. Nämlich der Abkehr von Fast Fashion zu mehr Nachhaltigkeit und Minimalismus.

Eines Nachts eine Nähmaschine bestellt

„Mit der Geburt von Emi fing alles an“, erzählt Alina Schickaneder mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Traditionell erwartet jede Mama mit der Geburt des Kindes das eine oder andere Geschenk aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis. Vieles davon nützlich, einiges eher nicht. „Doch vom Hocker haben mich vor allem die selbstgemachten Sachen gehauen. Da steckte eine Idee dahinter und es hatte einen tiefen, persönlichen Touch.“ Das war im September 2017. Und in den Abendstunden, als sie die Geschenke noch einmal genauer betrachtete, kam ihr eine Idee, die ab diesem Zeitpunkt ihr Leben ein Stück weit verändern sollte. „Ich habe mir dann einfach in der Nacht eine Nähmaschine bestellt – einfach so“, erzählt die 33-Jährige. Zunächst nur für private Zwecke. Sie nähte der Tochter ein paar Kleidungsstücke oder Kissen, „und die habe ich dann in den sozialen Netzwerken voller Stolz präsentiert.“ Die Reaktionen darauf waren überwältigend. „Auf einmal kamen Anfragen, ob ich Geburtskissen für den Bekannten- und Freundeskreis nähen könnte.“ Und sie arbeitete sich in die neue Materie mit viel Leidenschaft hinein. Als Autodidaktin erlernte sie nicht nur die Technik des Nähens, sondern erweiterte in der Folgezeit immer weiter ihr angebotenes Portfolio. Ende 2018 meldete sie dann ein Kleingewerbe an. „Das war auch finanziell äußerst erfolgreich und ich habe treue Stammkunden.“ Doch nicht nur im Umkreis ist ihr Label „Emi & Mom“, eine Hommage an ihre erstgeborene Tochter, mittlerweile bekannt. Sogar in Österreich, Polen oder Belgien wurde Made in Dingolfing bereits verschickt. Besonders stolz sei sie, „dass sogar Geburtskissen als Geschenke den weiten Weg nach Japan und Dubai gefunden haben“. Die Bestellungen erfolgen über ihre Internetseite. Ein wichtiger Wegbereiter für die Erfolgsgeschichte seien die sozialen Medien gewesen.

Upcycling statt Fast Fashion

Doch monetärer Erfolg ist das eine. Schickaneder sieht sich vielmehr auf einer Mission. Sie will ihre knapp 3000 Follower für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren. In Zeiten von Fast Fashion, in der deutschen Wegwerfgesellschaft, ein wichtiges Thema, „denn für die Umwelt ist es nun mal am besten, wenn ein Kleidungsstück so lange wie nur möglich getragen wird“. Deshalb will sie vor allem die Frauen dazu ermutigen ihre Kleidungsstücke aufzuwerten, wenn sie beschädigt oder verfärbt sind. Nicht immer müsse man alles gleich wegschmeißen. Sie zeigt auf ihren Kanälen zum Beispiel, wie man aus einer abgenutzten Jeanshose eine hippe Jeansjacke machen kann. „Das ist der Weg in der Zukunft. Somit hilft man nebenbei auch der Umwelt“, erklärt sie. Neben Nachhaltigkeit steht auch das Thema minimalistischer Lifestyle in den kommenden Monaten im Fokus, denn Schickaneder arbeitet schon seit einigen Wochen an ihrer ganz persönlichen Capsule Wardrobe. Mit dem Begriff ist eine kompakte Garderobe gemeint, die nur ein handverlesenes Minimum an Kleidungsstücken enthält. „Diese passen jedoch perfekt zueinander und lassen sich mühelos miteinander kombinieren.“ Bereits fünf Kleidungsstücke hat sie dafür genäht. „Jedoch müssen es mindesten 15 Kleidungsstücke sein, um genug Kombinationsmöglichkeiten zu haben. Dann bin ich zufrieden“, erzählt sie. Bis zum Frühjahr will sie mit diesem Projekt fertig werden. Man merkt im Gespräch schnell, dass die 33-Jährige nur so vor Tatendrang sprüht. Das Nähen und Kreieren von neuen Looks sei längst mehr als ein Hobby. „Für mich ist es zur Berufung geworden“, erklärt sie und hat weitere Projekte geplant, um das Portfolio ihres Unternehmens zu erweitern.

Weitere Projekte in Zukunft geplant

Wichtig sei dabei, dass ihr Mann Daniel, die beiden Kinder Emi und Tim sowie die gesamte Familie im Hintergrund unterstützen, „denn sonst wäre das alles gar nicht möglich und ich könnte diesen Traum auch nicht leben“. In den kommenden Wochen wird sie die ersten Schnittmuster auf ihrer Homepage für die Kunden anbieten. Doch Schickaneder ist noch lange nicht am Ende ihrer Modereise. Für die Zukunft seien auch Schnittmuster für Kinder in Planung und in den sozialen Netzwerken will sie noch aktiver werden. In ihrem Nähzimmer hängt ein bekannter Spruch von Konfuzius: Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder arbeiten müssen. „Der passt wirklich perfekt zu mir“, resümiert Schickaneder abschließend. Es scheint, als sei der nächtliche Einkauf einer Nähmaschine die beste Investition gewesen.

www.pnp.de/lokales/landkreis-dingolfing-landau/die-frau-mit-der-nadel-fuer-alina-schickaneder-mehr-als-eine-leidenschaft-17956057

Es wurden grammatikalische und orthografische Änderungen vorgenommen

Weiterführende Links:

https://www.emiandmom.com/

https://www.instagram.com/emi.and.mom/

M2: Didaktische Impulse

1. Arbeitet aus dem Text heraus, welche Möglichkeiten Alina Schickaneder aufzeigt, um sich für einen bewussten und nachhaltigen Umgang mit Kleidungsstücken einzusetzen.

2. Alina hat erst damit begonnen, bei ihren Produkten auf Nachhaltigkeit zu achten. Schreibt ihr eine Nachricht, in der ihr Alina mitteilt, in welchen Bereichen sie bei ihrem Label „Emi & Mom“ aus eurer Sicht zukünftig noch nachhaltiger sein könnte.

3. Welche Kleidungsstücke gehören für euch zu einer „Capsule Wardrobe“, einem minimalistischen Kleiderschrank? Kreiert einen Katalog mit 15 verschiedenen Teilen, die gut zu kombinieren sind. Vergleicht diese Auflistung mit eurem eigenen Kleiderschrank und diskutiert über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

4. Auch Papst Franziskus fordert in seiner Enzyklika Laudato sí, dass die Menschen „den Konsum (…) mäßigen, die Effizienz der Ressourcennutzung maximal (..) steigern und auf Wiederverwertung und Recycling (…) setzen“ (S. 22) sollten. Sammelt Möglichkeiten, wie ihr euch für einen bewussten und nachhaltigen Umgang mit Kleidungsstücken einsetzen könnt.

5. Startet eine Upcycling-Challenge: Sammelt alte und vielleicht sogar beschädigte Kleidungsstücke. Näht, knotet oder flechtet aus den Stoffen neue, nützliche Gegenstände oder Accessoires.

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